Ein seewinkler Klassiker für sich

Die einen lieben es, die anderen hassen es. Strudl & Puidl, ein alt traditionelles Gericht, das früher aus ganz anderen Gründen gekocht wurde als heute. Meine Schwester hat es von unserer Mama gelernt, meine Mama von unserer Oma und die wiederum von ihrer Mutter. Und so ging das immer weiter, denn dieses Gericht stammt aus einer Zeit, in der die Menschen nicht viel hatten. Mehl und Wasser waren alltägliche Zutaten, die immer vorhanden waren. Topfen, Gries und Bohnen konnte man sich leicht besorgen. In einer Zeit, in der man wenig hatte, aber trotzdem hungrige Mäuler gefüttert werden mussten, waren die Menschen erfinderisch. Und so entstand das seewinkler Gericht „Strudl & Puidl. Für alle, die es nicht wissen, aber vielleicht schon ahnen, Puidl ist das burgenländische Wort für Bohnen. Leider gibt es kein genaues Rezept für die Strudln, denn wie meine Mama immer sagt: „I woas nid wia vü do eini gheat, deis muist nau Gfüh mocha.“ Aber nichtsdestotrotz werde ich euch trotzdem sagen, was in diesem leckeren Rezept alles drinnen ist und wie es in etwa zubereitet wird.

Zuerst wird der Strudelteig mit Wasser, Mehl, Öl und Salz angerührt, damit er danach etwas rasten kann. Dann geht es gleich weiter mit der Topfen-Grieß-Füllung, welche meiner Meinung nach, das Beste an der ganzen Sache ist. Der Grieß wird angeröstet und mit Wasser aufgegossen. Anschließend wird das Ganze mit einem ½ kg Bröseltopfen vermengt und mit einem Ei, Salz und Pfeffer verfeinert. Nun kommt der schwierige Teil, denn da es sich hier um einen gezogenen Strudelteig handelt, muss man diesen nun ausziehen. Idealerweise ohne die Löcher, nicht wie in unserem missglückten Fall mit vielen großen Löchern.


Teig ziehen

Danach wird die Topfen-Grieß-Füllung auf der kurzen Seite auf dem ausgezogenen Teig verteilt und eingerollt. Dazu ist nun das Strudeltuch ganz hilfreich, das ihr auf dem Foto seht. Zum Schluss muss die lange Wurst noch in Stücke geteilt werden und damit die Fülle nicht wieder aus der Strudel raus kann, funktioniert das am besten mit einem Kochlöffel und danach mit dem Messer durchschneiden. Die Strudeln nun im Salzwasser kochen.

Strudl&Puidl zwicken

Zum Schluss muss nur noch nach Belieben entweder Bohnensoße oder Tomatensoße oder beides gekocht werden. Tomatensoße, denke ich, erklärt sich von selbst. Die macht einfach jeder so, wie man sie am liebsten hat. Für die Bohnensoße: Die Bohnen mit Karotten kochen, einen Suppenwürfel und etwas Salz und Pfeffer hinzugeben und das Ganze dann eindicken.

Jeder, der sich jetzt denkt: Viel zu schwer mach ich sicher nicht! Die gute Nachricht ist, dass es in Illmitz ein Restaurant gibt, in dem man Strudl & Puidl einfach und ohne viel Aufwand bestellen kann. Also für alle denen ich nun einen Gusta auf die seewinkler Strudl & Puidl gemacht habe: Nichts wie hin zum „Illmitzer“!